FÄRBEN MIT NATURSTOFFEN

DYING WITH NATURAL STUFF (please scroll down for the English text)


Färben kann man beinahe jeden hellen Mohair (auch gelben, beigen oder rosafarbenen), Wollfilz, Seidenstoff oder sogar Viskose, die allerdings Naturfarben nicht so gut annimmt. Auch helle oder ungefärbte Schafwolle und Seidengarn können gleichzeitig gefärbt werden, wenn man dem Bären z.B. einen farblich genau passenden Pullover stricken möchte. Federn und Holzknöpfe lassen sich ebenfalls passend einfärben. Wer gerne experimentiert und sich immer wieder überraschen lassen möchte, hat hier sein Metier gefunden.

Die meisten natürlichen Färbezutaten ergeben Gelb-, Braun- oder Grüntöne, mit einigen Pflanzen kann man auch Rot, Rosa oder Violett erreichen. Problematisch und komplizierter ist Blau. Alle so erzielten Farben sind mehr oder weniger griff- und lichtecht und sehr beständig.

Man kann naturgefärbte Stoffe sehr gut miteinander kombinieren, da alle Töne sich harmonisch zusammenfügen.

Die Zutaten findet man im Haushalt, im Garten, in Wald und Feld oder in der Apotheke. Tee und Kaffee, Zwiebelschalen von braunen oder roten Zwiebeln, das Gewürz Kurkuma und sogar Rotkohl und Rote Beete eignen sich zum Mohair-Färben, wobei sich immer wieder überraschende und oft unerwartete Töne ergeben. Abraten würde ich von Rotwein, da die Farbe nicht lichtecht ist und schnell verblasst. Sehr schöne, klare Gelb- und Goldtöne kann man mit Birkenblättern, Apfelbaumblättern und frisch gemähtem Gras erreichen, Birnbaumblätter ergeben einen Rot- oder Kupferton. Auch verschiedene Unkräuter wie z. B. Spitzwegerich und Brennnesseln färben sanft, ersteres eher hellbraun, letzteres olivgrün (wenn man im gusseisernen Topf färbt). Ein tiefes Braun ergeben Walnusshülsen, etwas heller färben die Blüten. Mit Rhabarberblättern erhält man Orange oder dunkles Beige. Ringelblumenblüten und Taghetes färben gelblich bis orange. Wald, Feld und Wiese bieten ein schier unerschöpfliches Reservoire an Färbstoffen: Weidenröschen (leuchtend gelb), Holunderbeeren (rosa-violett), Tannenzapfen und Kienäpfel (braun), Flechten (orange, messingfarben) und verschiedene Pilze, Farne, Moose und Baumrinden (bitte nur von abgefallenen Zweigen oder gefällten Bäumen schälen!) sowie Faulbaumbeeren (grau bis violett) ergeben immer wieder neue Farbabstufungen. Dem Forschergeist sind hier keinerlei Grenzen gesetzt.

Wenn man nicht selber sammeln will oder etwas exotischere Farbtöne erhalten möchte, kann man in der Apotheke Krapp-Wurzel (Rosa, Orange bis Tiefrot), Rot- oder Sandelholzspäne(lachsrosa) oder Blauholz (violett) sowie Cochenille (ein getrockneter Käfer, der auf Kakteen in Südamerika lebt), die ein tiefes Dunkelrot bis Purpur ergibt, erstehen.

Die Methode ist immer dieselbe und kann sowohl unbedenklich in der Küche (nichts ist giftig) als auch draußen auf einem Lagerfeuer oder Campingkocher angewandt werden: Zunächst wird der Mohair in lauwarmem Wasser mit etwas Wollwaschmittel oder Geschirrspülmittel ausgewaschen und gut gespült. Es spielt keine Rolle, ob man den Stoff im Stück, die zugeschnittenen Teile oder den bereits zusammengenähten, aber noch nicht gestopften Bären färben möchte. Allerdings laufen manche Mohairstoffe etwas ein, die Proportionen des Bären könnten sich dadurch verändern, darum rate ich zum Färben eines passend großen Stückes Mohair, das dann erst fertig gefärbt zugeschnitten wird. Wichtig ist, gleich genügend viel Stoff zu färben, denn es ist so gut wie unmöglich, zweimal denselben Farbton zu erreichen. Zu viele nicht abwägbare Komponenten spielen dabei eine Rolle: Der Zeitpunkt der "Ernte" (am besten sammelt man die Färbepflanzen im Hochsommer, wenn am meisten Färbkraft enthalten ist), der Standort, die Wasserqualität (es ergeben sich mitunter völlig andere Farben, je nachdem ob man Regenwasser, Leitungswasser oder Wasser aus einem See oder Fluss gebraucht), die Frische des Färbgutes(man kann alle Blätter, Beeren, Pilze etc. frisch, tiefgekühlt oder getrocknet verwenden, also auch "Vorräte" für den Winter anlegen), das Verhältnis von Stoff- zu Pflanzenmenge (je mehr Färbgut verwendet wird, desto tiefer oder dunkler die Farbe), die Dauer des Färbvorgangs, die Temperatur, die Qualität des Kochgeschirrs (Edelstahltöpfe, Kupfer , Aluminium oder Gusseisen, wobei letzteres alle Farben verdunkelt oder ins Grünliche verändert ) etc.

Als nächstes sollte der Mohair gebeizt werden, damit der Stoff die Farben gleichmäßig annehmen kann und auch der Stoffrücken mitgefärbt wird (wer einen hellen Stoffrücken vorzieht und pastellene Farben bevorzugt, kann diesen Schritt auslassen). Dazu wird ein großer Topf (am besten ein alter oder nur für diesen Zweck verwendeter) mit soviel Wasser gefüllt, dass der Mohair gut darin schwimmen kann. Wenn das Wasser kocht, gibt man pro 100g Stoff einen Esslöffel Alaun (aus der Apotheke) hinzu (sehr genaues Wiegen ist hier nicht unbedingt nötig! Aber für ein Mohairstück von etwa 30cm mal 70cm gebe ich 1 1/2 EL Alaun zu) und rührt, bis die Kristalle sich vollständig aufgelöst haben. Wenn dann die Temperatur soweit heruntergestellt ist, dass die Flüssigkeit nur noch köchelt, legt man den Mohair ein, rührt einige Minuten gut um, damit der Stoff überall gleichmäßig durchnässt wird, und lässt ihn etwa eine Stunde in dieser Brühe bei gleichbleibender Temperatur schwimmen. Danach wird der Stoff leicht ausgespült und am besten vollständig getrocknet (wer ungeduldig ist, kann auch gleich mit dem Färben beginnen, wird dann aber andere Ergebnisse erzielen, als wenn der Stoff zwischendurch getrocknet wurde).

Nun muss die Färbbrühe zubereitet werden: Das Farbgut (Mengenangaben siehe unten) wird so gut wie möglich zerkleinert und eine Stunde mit Wasser bedeckt ausgekocht (leichtes Köcheln genügt), Tannenzapfen und Farbhölzer sowie Baumrinde, Krapp und Cochenille sollte man vorher über Nacht schon im Kochwasser eingeweicht haben). Danach muss man die Farbbrühe sorgfältig absieben, so dass keine Faserteilchen sich in den Mohair-Haaren verfangen. In dieser Farbbrühe wird dann der Mohairstoff etwa eine Stunde gefärbt, wobei er immer wieder bewegt werden sollte, damit die Farbe sich gleichmäßig verteilen kann. Die Temperatur sollte um den Siedepunkt liegen. Je nach Dauer des Färbens kann der Farbton beeinflusst werden: Je länger der Stoff in der Brühe bleibt, desto dunkler oder tiefer der Farbton. Diesen Färbevorgang kann man, mit zwischenzeitlichem Trocknen des Stoffes, auch mehrmals wiederholen, um die Farbe noch zu intensivieren. Man kann auch versuchen, in den letzten zehn Minuten einen EL Backsoda, einen Schuss Essig oder etwas Salz zuzugeben, was der Farbe ganz erstaunliche Wendungen geben kann.

Und die Färbbrühe kann bei ausreichender Stärke auch zum Färben eines weiteren Stückes Stoff dienen, wobei der Farbton dann sehr viel heller wird, aber gut, zum Beispiel für eingesetzte Schnauzen, mit dem ersten Stoff harmoniert.

Wer geduldig ist, lässt nun den Stoff über Nacht in der Färbflüssigkeit abkühlen. Weniger Geduldige spülen ihn gleich in warmem Wasser aus, bis das Wasser ganz klar bleibt, wer möchte, kann auch jetzt wieder etwas Waschmittel zugeben und dem letzten Spülwasser etwas Haarspülung oder Weichspüler zusetzen. Danach wird der Mohair getrocknet, wobei man beim Aufhängen oder flach Hinlegen durch Kämmen die Florrichtung beeinflussen kann. Eine andere Möglichkeit, die den Mohair ganz besonders flauschig und weich macht, ihn allerdings auch noch ein wenig einlaufen lassen kann, ist das Trocknen im Wäschetrockner. Hier kommt der Stoff dann etwas gewirbelt oder mit Knautscheffekt aus der Maschine.

Mengenangaben für das Färben eines ca. 30cm mal 70cm-Stückes Mohair:

Färbebrühe herstellen aus:

soviel Wasser, dass die Färbpflanzen gut bedeckt sind und der Stoff später gut schwimmen kann (die Wassermenge hat keinen Einfluss auf das Färbergebnis), etwa 3-5Liter

Blätter: etwa eine Plastiktüte oder einen 10-Liter-Eimer voll, nicht zusammengedrückt, bei getrockneten Blättern die Hälfte

Tee: 10 Teebeutelchen oder eine entsprechende Menge loser Tee (10EL), eignet sich gut für die Verwertung alter oder nichtgeliebter Tees. Achtung: Jede Teesorte ergibt einen anderen Farbton!

Kaffeesatz oder noch ungebrühter Kaffee (gut Absieben oder Durchfiltern nach dem Auskochen!): etwa 10 EL

Kurkuma: 1 EL

Färbhözer aus der Apotheke, Krapp etc.: etwa 100 g, gut einweichen über Nacht vor dem Auskochen

Cochenille ist sehr ergiebig, ein Teelöffel genügt (gut im Mörser zerstoßen und einweichen über Nacht)

Zwiebelschale: Äußere Schalen von 8-15 Zwiebeln, je mehr, desto dunkler der Ton. Zwiebelschale ist sehr ergiebig.

Rotkohl: Ein ganzer gut zerkleinerter Rotkohl (Achtung: das meiste wäscht sich beim Ausspülen wieder heraus, aber man kann erstaunliche Grau-, manchmal sogar Blautöne erreichen)

Gras und Unkraut: Soviel wie in den Topf passt

Walnusshülsen: Die grünen Hülsen, in denen die Nüsse wachsen, haben eine große Färbkraft (Gummihandschuhe nicht vergessen!!!!), es reichen kleine Mengen

Holunderbeeren, Faulbaumbeeren: Etwa ein Marmeladenglas voll, gut zerdrücken beim Auskochen!

Tiefkühlblaubeeren ca.200-300g, etwas Zucker und Mehl zugeben

Tannenzapfen und Kienäpfel: So gut wie möglich zerkleinern und einweichen vor dem Auskochen, am besten färben Tannenzapfen aus dem Vorjahr, also nicht frische. Etwa ein halber Eimer voll.

Weidenröschen: ca. zehn Blütenstände mit Blättern und Stielen

Heidekraut : einen halben Eimer voll, ganze Pflanze, sehr färbkräftig

Verfasserin: Susanne Mensing-Varila, 2002

WENN SIE FRAGEN HABEN; KÖNNEN SIE MICH JEDERZEIT GERNE ANMAILEN!



DYING WITH ORGANIC LEFTOVERS FROM THE KITCHEN

This is a truely ecological way to dye your mohair, cashmere or other woolfiber: Nothing dangerous to your or your customer’s health or to the environment!

It is very easy: Collect vegetable or fruit peels (such as banana, melon, avocado, kiwi, oranges, lemons, carrots, red apples, beets, try everything colourful), remove everything else but the peel.

Let it dry somewhere (each kind in a glass or container, do not mix!) for at least a couple of days (or forget all about it for months, if you are patient enough).

When you find it again, cut or reduce the material to small pieces and cover them with water. Let them stand in not freezing temperatures (!!!) for a week or so (up to a year, they may freeze in between, it doesn’t matter). I looks messy, but smells ok.....

Do not let it mould (although this is said to give an extra effect....). To prevent that you can heat the whole thing every couple of days or dye before it starts to do so.

Pre-mordant your fabric with alum (you get this at the pharmacy or drugstore or even in supermarkets, it is no dangerous stuff they use for food too, the only mordant that doesn’t cause any kind of danger): 100g of mohair-fabric need 10g of Alum or less. Wetten the mohair, put hot water enough to make your mohair swim in it to a pot and add the alum, stir well. Put the wet mohair in and rise the temperature until it is almost boiling. Let it be like that for an hour, stir from time to time, then switch off the heat and let the fabric cool down in the liquid. After that you can either let it dry and use it later (do not rinse!) or use it immediately.

Now cook your messy fruit peels in the same water, add as much as you will need to keep it liquid (you can do that later too when it is boiling). Boil the whole thing for up to three hours (one is enough, but if you want to get ALL the colour). Be careful: If you want red ( for example from the beets or avocado) do NOT really boil but simmer it only, otherwise you’ll get brown. If you want REAL red, add some creme de tartar now or later (a teaspoon). Then take it out, wash it with a neutral soap (the ones for wool or silk), rinse, rinse and rinse again, let it dry or put it to the dryer (I add a little conditioner to make it smell good! Even if that is not really ecological....)

One thing important: Collect as much material as you can before you start! A liquid full of colour is always better to handle, you can always put more fabric in or dye a second bath if the first was too dark. Do not try to dye with a single banana peel ;O))

This is a field of experimentation and fun! The materials and colours we tried and got so far were: Orange : burned orange (beautiful!!!!) Banana: soft deep brown Kiwi: very dark brown (!!!) Beets: red Watermelon: soft yellow Carrots: light orange yellow Red apples: peachy pink The sky is the limit......

By the way: Lightfastness is as good as with most other natural colours: Good to superb.

We did other things too, but it will take at least three week before I can tell you something about the results: We tried dying with natural stuff without using any kind of heat, but this takes time....even more ecological....... ;O))))